Aus dem Osten nicht viel Neues

 

 

In ihrem aktuellen historische Roman „Die Jahre der Schwalben“, erzählt Ulrike Renk die persönliche Geschichte, der frisch mit einem todgeweihten Zauberbergler, verheirateten, ältesten Tochter einer landadeligen Patch-work Familie aus den dt. Ostgebieten, Frederike von Steglitz. Ihr gelingt es diese, von der Familiengeschichte derer zu Mansfeld inspirierten, aber doch fiktionale Story geschickt mit dem historischem Personal der 30er Jahre und den notwendigen Fakten zu verweben.

Interessant für mich vor allem der Blick auf das Zeitgeschehen vorrangig aus der Perspektive der miteinander verwandschaftlich, oder zumindest freundschaftlich verbundenen, Gutsbesitzerfamilien, die ja zum Teil über Jahrhunderte die Geschicke der verschiedenen Dt. Reiche mitbestimmten, und die ohne Monarchie, nach dem Gr. Krieg & den Auflagen des Versailler Vertrages viel von ihrer ehem. Macht verloren hatten.

Wie lebte es sich als Patriarch oder als Patriarchin auf einem so großen landwirtschaftlichen Anwesen? Wie sehr war ein Gut auch Unternehmen? Wie sehr herrschte Standesdünkel vor? Wie beurteilten die Junker das Erstarken der NSDAP? Wie viele von Stauffenbergs gab es unter ihnen oder wie Nazi-affin waren die ostpreußischen Junker so abgeschnitten vom Reich wirklich? Themen, die ich äußerst interessant dargestellt fand.

Als störend empfunden habe ich aber die inhaltlichen Wiederholungen vor allem im  ersten Drittel des Romans. Macht Repetition in einem Sachtext für mich Sinn, dem Leser nach gewissen Abschnitten den Inhalt noch mal kurz zus. zu fassen, in einem liter. Text finde ich das, als Leserin mit einem noch funktionsfähigem Gedächtnis, ausgesprochen nervig.

Auch dass best. Figuren mit der ihr typischen Verhaltenseigenart, z.B. der Hund der Protagonistin, Fortuna, der ihr ständig folgt und doch stets von ihr mit einem Pfiff dazu aufgefordert wird, über weite Strecken gefühlt mindestens 2x pro Seite erwähnt werden muss, dann viele Kapitel lang ohne Erklärung überhaupt nicht mehr auftaucht, um dann aber noch einmal als alt und grau erwähnt zu werden. Ähnlich ergeht es dem Kindermädchen Elsa, wiederholtes Betonen ihres einfühlsamen Umgangs mit den Kindern und dann wird sie nicht mehr erwähnt, obwohl sich an der Grundkonstellation nichts geändert hat.

Für mich wäre hier ingesamt weniger Wiederholung etwas mehr gewesen, deshalb für mich leider nur ein  „ganz nett“.

 

Ulrike RenkDie Jahre der Schwalben

Broschur, 560 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3351-0
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